"...
Angst vor dem Weibe ... ?"
Ein Schlag unter die Gürtellinie -
oder nur ein (schlechter) Silvesterscherz?
Erst dachte ich tatsächlich, es sei nur ein (schlechter) Silvesterscherz und habe laut gelacht, als ich am Morgen des Silvestertages die Braunschweiger Zeitung aufschlug und feststellte, daß darin mein Name genannt wurde. Aber dann bemerkte ich die Reaktion meiner Frau ... - Worum ging es?
Eine Pfarrerin aus Braunschweig gab ein Interview. Sie beschäftigt sich
u. a. mit Kirchengeschichte und hat ein Buch über die Geschichte der
Frauenordination in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Braunschweig
(mit-)verfaßt. Titel: "Mit Phantasie und
Tatkraft".
Der Interviewer schrieb, die Verfasserin habe "im Anfangskapitel diesen langen Marsch durch die kirchlichen Institutionen minutiös geschildert." Möglicherweise war die Phantasie dabei stärker als die Tatkraft, historisch genau zu recherchieren. Denn es wird berichtet: "Da gab es beispielsweise 1963 die sechs Punkte umfassende Erklärung einiger Pastoren um Jürgen Diestelmann und Erich Warmers, in der jene Kirchenleitungen des Ungehorsams gegen die Heilige Schrift bezichtigt wurden, die die Frauenordination unterstützten." Da wird mir doch ein wenig zuviel Ehre angetan. Zwar habe ich damals mit einigen andern Persönlichkeiten (sie waren meist viel prominenter als ich) jene Erklärung unterschrieben, doch waren es ja hunderte Pastoren (darunter auch der damalige stellvertretende Landesbischof), die sich in gleichem Sinne ausgesprochen haben. Ihnen wurde übrigens ausdrücklich und offiziell Gewissensfreiheit versprochen, - ein Versprechen, das längst gebrochen wurde.
Wenn nun freilich von angeblich "frauenfeindlichen" Bibelstellen die Rede ist, fragt man sich, ob nicht mehr als Phantasie und Tatkraft dahintersteckt, wenn so vom Wort Gottes geredet wird. Nach welchem Maßstab wird eigentlich die Bibel ausgelegt ?
Aber dann kommt der eigentliche "Silversterscherz".
Unmittelbar nach Nennung der beiden Namen Jürgen Diestelmann und Erich Warmers heißt es wörtlich: "Ging es nur um die
Auslegung der Schrift? Mein Gegenüber ahnt, dass mehr dahinter stecken muss:
möglicherweise eine tiefe Angst vor dem Weibe und seinen Verlockungen. Das
freilich müsste noch näher erforscht werden." Hier war der Punkt, wo
ich dann doch aufhörte, laut zu lachen, als mich nämlich meine Frau darauf
aufmerksam machte, daß doch damit eine nicht gerade
ehrenvolle Bemerkung über unsere Ehe gemacht wurde. Denn, wo "tiefe
Angst vor dem Weibe und seinen Verlockungen" vorhanden ist, da kann es
sich doch wohl nur um
verklemmte
Sexualität handeln.
Nach nunmehr fast 44-jähriger glücklicher Ehe erfahren wir nun also aus der Zeitung, daß mit uns wohl etwas nicht ganz in Ordnung sein muß. Wir sind gespannt, was hierzu die angekündigten "näheren Erforschungen" ergeben werden, wüßten freilich gerne, wie diese vor sich gehen sollen. Seit wir vor dem Altar Gottes einander die Treue gelobt haben, haben wir uns nämlich ohne jede Angst den ehelichen Freuden hingegeben (weil nach christlicher Auffassung die Sexualität in den hl. Ehestand gehört, sollte man dafür lieber diese Bezeichnung benutzen). Wir durften dankbar erfahren, daß Gott uns dadurch mit vier gesunden Kindern beschenkte und erfreuen uns inzwischen an 10 Enkelkindern.
Was sollen also solche kränkenden Bemerkungen im Interview einer Theologin? Sind Schläge unter die Gürtellinie heutzutage die schlagenden Argumente, mit denen man sich kirchlich und theologisch auseinandersetzt? Das wäre allerdings mehr als nur bedauerlich. Uns ist bisher nirgendwo bekannt geworden, daß bibeltreue Pastoren oder andere bibeltreue Christen sich auf solch ein niedriges Niveau herabgelassen haben.
D.
e-mail
an: "Luther in
Braunschweig"
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