Die Biographie Joachim Mörlins ist jetzt erschienen

Jürgen Diestelmann

JOACHIM MÖRLIN

Luthers Kaplan - Papst der Lutheraner

Ein Zeit- und Lebensbild aus dem 16. Jahrhundert

394 Seiten mit vier Farbtafeln und zahlreichen Bildern.

ISBN 3 7726 0236 3 – Freimund-Verlag Neuendettelsau 2003

Preis € 33,20

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Zu den Rezensionen

Nach jahrelangen Studien konnte die Biographie des bedeutenden lutherischen Theologen Joachim Mörlin fertig gestellt werden. Da in diesem Buch nicht nur Verlauf und Lebensumstände Mörlins geschildert werden, sondern auch die Zeit- und Lebensverhältnisse der Orte, an denen er lebte und wirkte, könnte man es auch als ein "kirchengeschichtliches Lesebuch" eigener Art bezeichnen. Das Buch ist für Nichttheologen allgemeinverständlich geschrieben. Eine oft übersehene Epoche der Kirchengeschichte - die sog. Spätreformation - wird dem Leser erschlossen

Zum Inhalt folgende Angaben: Joachim Mörlin lebte von 1514 bis 1571. Er war nach seinem Studium und der Doctor-Promotion Diakon an der Wittenberger Stadtkirche und besaß die besondere Wertschätzung und Zuneigung Martin Luthers, so daß er "Luthers Kaplan" genannt wurde. Nach seinem Tode wurde er von seinen Gegnern als "Papst der Lutheraner" verspottet, weil er zu einer führenden Persönlichkeit des norddeutschen Luthertums geworden war.

Mörlins Lebensstationen waren:

Wittenberg (1514 - 1540)

Hier wurde Joachim Mörlin geboren und empfing er unter Kanzel und Katheder Luthers seine Prägung als ein typischer Vertreter der "zweiten Generation" der Reformation.

Arnstadt (1540 - 1543)

In seinem Streit mit der städtischen Obrigkeit nahm er hier das "Wächteramt" wahr und wurde so zu einem lebendigen Gegenbeweis zu der angeblichen Obrigkeitshörigkeit der Lutheraner.

Göttingen (1543-1550)

In der großen Notzeit der Lutheraner nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg verteidigte er hier das Erbe der lutherischen Reformation gegen Kaiser und Herzog.

Schleusingen (1550)

Die Grafen von Henneberg nahmen Mörlin nach der Vertreibung aus Göttingen auf, bis er seiner Berufung nach Königsberg folgen konnte.

Königsberg I (1550 - 1553)

Hier kämpfte er gegen die Verfälschung des lutherischen Rechtfertigungsglaubens durch Andreas Osiander und wurde deswegen ertrieben.

Braunschweig (1553 - 1567).

Mörlins Zeit in Braunschweig war die längste und fruchtbarste seines Lebens.

Bei seinem Abschied von Braunschweig sagte er: "Aber Braunschweig ist mein Herz!"

Zu Mörlins Bedeutung für Stadt und Kirche in Braunschweig siehe am Ende dieser Seite !

und Königsberg II (1567 - 1571)

Die letzten Jahre seines Lebens waren erfüllt von gesegnetem Wirken als Bischof von Samland.

 Bildnisse Mörlins:

Ölgemälde aus der Braunschweiger Brüdernkirche - Stich aus einem Predigtband


Über Mörlins Bedeutung für Braunschweig schrieb Johannes Beste (+ 1928):

"Wie hatte sich doch unter Mörlin und Chemnitz das religiös-kirchliche Leben so blühend entfaltet! Wie strömten die Volksmassen in die Gotteshäuser! Bald waren die großen, herrlichen Braunschweiger Kirchen zu enge; die unschönen Emporen mußten überall angelegt werden. Dazu war die Zahl der Gottesdienste beständig im Wachsen begriffen. Die Gemeinden lebten und webten in dem wiedergefundenen Gotteswort. Die Geistlichen fühlten sich von Beterhänden gehoben und getragen; ihr kräftiges Zeugnis fand ein reiches, helles Echo, dadurch wuchs ihr Mut und ihre Freudigkeit. Das evangelische Kirchenlied erklang in den Häusern und auf den Gassen, daß die Alten sich immer tiefer in die heilsame Lehre hineinsangen, während die Jugend aus Luthers kleinem Katechismus die einfache, und doch so unergründliche und tiefsinnige Wahrheit des Himmelreichs lernte. Es war doch eine wunderbare Zeit, als die Prediger des orthodoxen Luthertums das Vertrauen ihrer Mitbürger voll und ganz besaßen, als das weltliche Regiment, weit entfernt, die Freiheit und Selbständigkeit der Geistlichen zu beschränken, sich vielmehr oftmals auf ihren Einfluß stützen mußte. Die Geistlichen waren im besten Sinne Hirten des Volkes, die Kirche war eine Volkskirche, das Wort Gottes eine Macht, der sich jeder, auch der im innersten Herzen Zweifelnde, in Ehrfurcht beugen mußte."

 

Rezensionen zu diesem Buch:

Prof. Dr. Ernst Koch in

Ein "'kirchengeschichtliches Lesebuch' eigener Art" nennt der Werbetext auf dem Rückentitel diese Veröffentlichung des emeritierten Braunschweiger Pfarrers Jürgen Diestelmann. Das mit 56 Schwarz-Weiß-Illustrationen und 4 Farbtafeln ausgestattete Buch verdient diese Bezeichnung mit Recht. In auch für Nichtfachleute gut lesbarer Form bietet es mehr als sein Titel vermuten läßt, nämlich in der Beschäftigung mit der Biographie eines Theologen einen Einblick in die spannungsvollen Jahrzehnte zwischen 1540 und 1570, in denen es um die Gestaltwerdung der Wittenberger Reformationsbewegung in der Mitte und im Norden Deutschlands sowie im alten Preußen, dem späteren Ostpreußen ging. Der Autor erreicht dieses Ziel, indem er den 11 darstellenden Kapiteln des Buches jeweils eine knappe und instruktive Skizze über die Gesamtsituation voranstellt, die für den jeweiligen biographischen Abschnitt maßgebend war. Das Buch befaßt sich mit Joachim Mörlin, geboren 1514 in Wittenberg, nach Kindheit und Jugend in Westhausen im Grabfeld, Studium in Marburg und Zwischenaufenthalt in Konstanz wiederum zum Studium in Wittenberg, Tätigkeiten als Geistlicher in Arnstadt und Göttingen, im Exil in Schleusingen, zwischen 1550 und 1553 sowie seit 1567 in Königsberg sowie von 1553 bis 1567 Superintendent in Braunschweig. Drei Kapitel und ein weiteres, das Quellen zum Lebenswerk des Theologen enthält, sind theologischen Beziehungen und Themen gewidmet, die mit Mörlins kircheleitendem Lebenswerk verbunden waren. Eine Zusammenstellung seiner Werke, die in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel vorhanden sind, ist beigefügt ebenso wie ein Literaturverzeichnis. Zu den Vorzügen des Buches gehört, daß der Autor immer wieder die Quellen sprechen läßt und dabei auch auf ungedruckte Quellen zurückgreift. Daneben werden gut lesbare Darlegungen über theologische Grundsachverhalte geboten, die z.B. das Bischofsamt in der Reformation betreffen. Ein Hauptakzent liegt, einem Arbeitsschwerpunkt des Autors des Buches folgend, auf der Beschäftigung mit Auseinandersetzungen über die Theologie des Hl. Abendmahls im 16. Jahrhundert. Der reiche Inhalt des Buches läßt einen Wunsch erwachen, der sich nach der Lektüre einstellt: Das Buch hätte ein Register wenigstens - der erwähnten Personen und Orte verdient. In Einzelheiten, die z.B. biographische Einzelheiten von Personen betreffen, die für Mörlins Biographie eine Rolle gespielt haben, sind ein paar Unschärfen zu bemerken. Hier und da, so in der Darstellung des Herzogs Moritz von Sachsen, wird sich bei der Lektüre möglicherweise ein anderes Urteil einstellen. Das Auftauchen des Titels eines Buches von Mörlin an zwei Stellen in der Zusammenstellung seiner Schriften (S. 373f und S. 381f : Repetitio Corporis Doctrinae Ecclesiastici - so im richtigen Wortlaut) läßt sich durch Streichung auf S. 373f, klären. Für Nichtfachleute hilfreich gewesen wäre die Auflösung der Abkürzung "WA" (nämlich: Martin Luther Werke. Kritische Gesamtausgabe, Weimar 1883ff,) auf S. 364ff. "Durstig“ (S.367 Zeile 1)- im Original vermutlich "turstig" (oder ähnlich) - bedeutet im Frühneuhochdeutschen "keck, frech". Die kritischen Bemerkungen können den Gesamteindruck nicht verdecken: Mit dieser Biographie wird ein eindrucksvoller und nützlicher Einblick in Leben und Wirken eines Mannes vermittelt, der zu den bedeutendsten, aber, weithin unbekannten Gestalten der für die Geschichte der Wittenberger Reformation in ihrer zweiten Generation gehört. Das Buch kann der Lektüre nur empfohlen werden.


Friedrich-Otto Scharbau in: Jahrbuch der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte, 104/2006.

Er gehört sicher nicht zu den ganz Großen der Reformationsgeschichte, aber ebenso wenig zu den Epigonen, die in deren Windschatten ihr Zelt aufgeschlagen haben. Joachim Mörlin ist ein Mann zwischen den Generationen. Als er 1514 in Wittenberg geboren wird, ist Luther dreißig Jahre alt und hat bereits seine erste Psalmenvorlesung gehalten. Als er 1531 dort sein Theologiestudium aufnimmt, liegt die Verlesung des Augsburgischen Bekenntnisses vor Kaiser und Reich ein Jahr zurück, in einer Reihe von Territorien sind reformatorische Kirchenordnungen eingeführt, die Reformation hat institutionelle Gestalt gewonnen. Mörlin studiert bei Luther, Melanchthon und Bugenhagen, wirkt aber als Theologe und Bischof weit über deren Tod hinaus. Inge Mager, die das Vorwort für die Arbeit von Diestelmann schrieb, bezeichnet ihn im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon als „streng lutherischen Theologen". Das ist richtig, aber das machte ihn nicht taub gegenüber Versuchen einer Vermittlung zwischen unterschiedlichen theologischen Positionen, sofern sie der Wahrheit uneingeschränkt Raum gaben und ihr nicht im Wege standen.

Es ist außerordentlich reizvoll, sich an Hand der Darstellung von jürgen Diestclmann mit der Biographie Joachim Mörlins und seiner Rolle in den Lehrauseinandersetzungen des mittleren 16. Jahrhunderts vertraut zu machen. Und es ist ein Verdienst des Autors, diese interessante Persönlichkeit ins gegenwärtige Bewusstsein gehoben zu haben. In Wittenberg geboren, wuchs Mörlin zunächst in seiner Geburtsstadt, von 1521 an in der Nähe von Coburg auf, wo sein Vater auf Empfehlung Luthers eine Pfarrstelle übernommen hatte. In Wittenberg studierte er Theologie, erlangte 1536 den Magistergrad und wurde 1539 Diakon an der dortigen Stadtkirche, was ihn zu „Luthers Kaplan" werden ließ. 1540 wurde er in Wittenberg zum Doktor der Theologie promoviert und im selben Jahr als Superintendent ins thüringische Arnstadt berufen. Bereits hier zeigte sich eine der hervorstechendsten Eigenschaften Mörlins, nämlich eine unnachgiebig kompromisslose Haltung gegenüber jeder tatsächlichen oder auch von ihm vermuteten Abweichung von der Wahrheit. In Arnstadt ging es noch um das unchristliche Verhalten der Obrigkeit, später waren es die großen Lehrauseinandersetzungen seiner Zeit, in denen er sich streitbar und ohne Rücksicht auf die persönlichen Konsequenzen engagierte, in die er sich aber auch verstrickte. In Arnstadt wurde er nach quälenden Auseinandersetzungen und trotz Rückhalts in der Gemeinde entlassen und übernahm die Stelle des Superintendenten und Predigers an St. Johannis in Göttingen, wohin ihn Herzogin Elisabeth in Wahrnehmung ihrer Patronatsrechte berufen hatte. Sie sollte fortan eine wichtige Fürsprecherin Mörlins werden, bis hin zu seiner Berufung als Bischof von Samland 1567 durch Herzog Albrecht von Preußen, den Schwiegersohn Elisabeths. In Göttingen kam es bald zu heftigen Auseinandersetzungen über das Augsburger resp. Leipziger Interim von 1540, das Mörlin als unlutherisch unter keinen Umständen akzeptieren wollte und das ihn auch von Melanchthon, seinem früheren Lehrer in Wittenberg, als dessen eigentlichem Vf. entfernte. Dabei wurde ihm ein Punkt wichtig, der auch schon Teil seiner Auseinandersetzung in Arnstadt gewesen war: Es ging über die inhaltlichen Fragen des Interims hinaus auch um die Frage, ob die weltliche Obrigkeit in Glaubensfragen überhaupt eine Zuständigkeit habe. Gegen alle Mahnungen und Warnungen hielt Mörlin an seinem Widerstand fest und musstc Göttingen schließlich in einer von Elisabeth veranlassten geheimen Aktion verlassen. Nach kurzem Zwischenaufenthalt im thüringischen Schleusingen wurde er 1550 an den Kneiphofschen Dom in Königsberg berufen, wo er sich schnell in die Auseinandersetzung mit Andreas Osiander über dessen Rechtfertigungslehre einschaltete, und zwar zunächst in vermittelnder Absicht und vom Herzog mit dem Versuch einer Vermittlung beauftragt. Mit Osiander verband ihn ursprünglich dcr Widerstand gegen das Interim, um deswillen dieser 1548 Nürnberg hatte verlasscn müssen und nach Preußen gegangen war. Mörlin hatte einen schwierigen Stand zwischen Osiander und dem Herzog, wie sich schon bald herausstellte. Als dieser sich, sicher nicht ohne dass Mörlin selbst dazu beigetragen hätte, schließlich auf die Seite Osianders schlug, konnte Mörlin sich auch in Königsberg nicht mehr halten. In Danzig, wohin er zunächst ausgewichen war, erreichte ihn die Berufung zum Superintendenten von Braunschweig, also in jenes Amt, das 1528 durch Bugenhagens Kirchenordnung für die Stadt geschaffen worden war. Dorthin begleitete ihn Martin Chemnitz, mit dem er in Königsberg in Verbindung gekommen war und der 1567, als Mörlin erneut nach Königsberg ging, nun als Bischof von Samland, diesem in dem Braunschweiger Amt nachfolgte. Es ist erstaunlich, dass diese beiden so unterschiedlichen Charaktere einander derart verbunden waren, dass Mörlin nicht ohne Chemnitz nach Königsberg wollte und es schließlich doch nur deshalb tat, weil dieser zu seinem Nachfolger in Braunschweig bestellt wurde.

Sowohl in Braunschweig wie dann auch in Königsberg konnte Mörlin sich ganz seinen bischöflichen Aufgaben und der inneren Festigung des Kirchenwesens hingeben, ohne aber das Predigtamt im Sinne des Straf- und Zuchtamts zu vernachlässigen (Martin Stupperich: Art. Mörlin, in: TRE, Band 23, 1994, S. 193 ff.). Die wesentlichen Auseinandersetzungen fanden nun außerhalb seines amtlichen Zuständigkeitsbereiches statt, aber beschaulich wurde sein Leben dadurch nicht: An den Bemühungen um Vermittlung zwischen Melanchthon und Flacius war er ebenso beteiligt wie an dem sogenannten Zweiten Abendmahlsstreit, wobei auch da Melanchthon wiederum eine zentrale Rolle spielte. Hierher gehört auch der Konflikt um den Bremer Domprediger Albert Hardenberg. Nicht immer waren seine Bemühungen erfolgreich, aber immer trugen sie zu einer Klärung der lutherischen Position bei. Dass Mörlin in dieser langen Zeit viel leiser agiert als bis zu seiner Entlassung aus Königsberg, ist möglicherweise seinem bischöflichen Amt geschuldet, hängt vielleicht aber auch mit dem Einfluss von Martin Chemnitz zusammen.

Es ist höchst verdienstvoll, dass Jürgen Diestelmann diese interessante Personlichkeit der Kirchengeschichte der Mitte des 16. Jahrhundert aus der Versenkung hervorgeholt hat. Er zeichnet ein höchst eindrucksvolles Bild vom Streit um dic Lehre ebenso wie vom Kampf der weltlichen Obrigkeit um Einfluss und Macht - und davon, wie kirchliche Amtsträger von deren Gunst und Missgunst abhängig waren. Das alles ist zwar aus vielen Zusammenhängen bekannt, aber es wird in dieser Darstellung noch einmal und erneut anschaulich vorgeführt: Wer der Wahrheit auf der Spur bleiben wollte, setzte dabei seine und seiner Familie Existenz aufs Spicl und konnte leicht zu einem Gejagten werden. In ihm nur einen Streittheologen zu sehen, würde seiner Bedeutung für die reformatorische Lehrbildung im 16. Jahrhundert nicht gerecht. Auch kann man ihm nicht nur einen Gnesiolutheraner sehen, war er stets doch auch, wenn auch letztlich vergeblich, um einen Ausgleich mit Melanchthon bemüht. (Stupperich, ebd.) Dass ein Mann wie Mörlin schließlich doch zwei Mal mit einem bischöflichen Amt betraut wurde, macht aber andererseits auch deutlich, dass die zuständige Obrigkeit sich bemerkenswert unbeeinflusst hielt von der Vorgeschichte, die ein Mann wie Mörlin mit sich herumtrug.

Die Darstellung von Diestelmann geht sehr ins Detail. Das ist ihre Stärke, führt hier und da aber auch zu einer gewissen Unübersichtlichkeit - besonders dann. wenn die Beschreibung der größeren Zusammenhänge den Lauf der biographisch orientierten Darstellung unterbricht und so zunächst der Anschluss verloren geht.

Es ist schade, dass Diestelmann auf einen Einzelnachweis der vielen Zitate in seinem Text verzichtet, sondern nur pauschal auf die Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel, das Niedersächsische Staatsarchiv Wolfenbüttel und das Stadtarchiv Braunschweig verweist. Hervorzuheben sind dagegen die Beilagen „Mörlin als Pfarrer und lutherischer Theologe" sowie die Übersicht über Mörlins umfangreiches literarisches Werk und die Literaturübersicht. Leider enthält der Band eine Reihe von Schreib- und Interpunktionsfehlern sowie einzelne Satzverstümmelungen, die den aufmerksamen Leser stören. Bedauerlich ist, dass zitierte Kirchenlieder in der Zählung des alten Gesangbuchs nachgewiesen werden.

Die Darstellung verrät allenthalben eine große innere Nähe des Autors zu seinem Gegenstand. Das überrascht nicht, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Jürgen Diestelmann von 1975 bis 1990 selbst Pastor an der Brüdernkirche in Braunschweig war, die eben auch Mörlins Predigtkirche war und in der noch heute sein Bild hängt, und - abgesehen von den biographischen Berührungen - ist auch die theologische Sympathie zu den Positionen des Dargestellten nicht zu verkennen.



Bernd Möller inArchiv für Reformationsgeschichte, Vol. 33, 2004, S, 32.

Laut Umschlagtext ist dies ein „auch für Nichttheologen faszinierendes Buch", hingegen keine „in engerem Sinn wissenschaftliche Arbeit". In der Tat schildert der Verfasser den Vorkämpfer der lutherischen Frühorthodoxie (1514-71) in der Form des Erzählbuchs. Seine Lebensstationen werden abgeschritten, nicht Wachstum und Werdegang untersucht. Das Buch ist mit einiger Sorgfalt angelegt, jedoch ohne wissenschaftlichen Apparat, ohne Zitatnachweise und ohne Kenntnisnahme des Forschungsstandes. Seinem Helden begegnet der Verfasser mit ungeteilter Sympathie. Dass Mörlin, der ein unmittelbarer Schüler Luthers war, an seinen verschiedenen Lebensorten - Wittenberg, Arnstadt, Göttingen, Königsberg, Braunschweig und nochmals Königsberg - zumeist im Streit geschieden ist, kommt ihm im Urteil des Verfassers zugute („Eifer und Treue", kein Abweichen von der Lehre Luthers). Mörlins viele Gegner sind jeweils nicht nur an der schlechteren Theologie, sondern auch ;am schlechteren Charakter kenntlich. Gewissermaßen werden die Kämpfe des 16. Jahrhunderts noch einmal ausgetragen, freilich mit modernen Parolen. So kann man lesen, Melanchthon habe, als er sich von Luthers Abendmahlslehre entfernte, „zum Bruch mit dem gesamtkatholischen Konsens" beigetragen.



Robert Kolb in : LUTHERAN QUARTERLY, Book Reviews.

Recent scholarship suggests that the team of Joachim Mörlin (1514-1571) and Martin Chemnitz (1522-1586), as a partnership, played a critical role in shaping later Lutheran interpretation of the theology that both men had learned at Wittenberg. The synthesis of Luther's and Melanchthon's thought that they formulated in a number of critical documents, published and unpublished, found its way through the junior partners work on the Formula of Concord into the mainstream of Lutheran "Orthodox" teaching. But as Chemnitz's ideas were developing, Mörlin, his older friend, with significantly more formal education than the largely self-taught Chemnitz, was guiding and shaping the younger mans way of thinking. Therefore, a biographical study of Mörlin is a welcome addition to the growing literature on the period between Luthers death and the Formaln of Concord, the Age of Confessionalization, and many scholars fabel this era today.

The author, retired parish pastor Jürgen Diestelmann, had written in the field of Reformation studies before (above all his Actio Sacramentalis, Die Verwaltung des Heiligen Abendmahles nach den Prinzipien Martin Luthers in der Zeit bis zur Konkordienformel, 1996). What the publisher states on the back of the book is clear: Diestelmann's work is the product of thorough research over many years. He tells the story of Mörlin's life engagingly, for a popular audience, a book - again in the publisher's words - designed to be "fascinating for the non-theologian." Mörlin's life did unfold in a series of ecclesiastical adventures. A student confidante of Luther himself, the young Joachim, born in Wittenberg the son of an instructor in the arts faculty, set off for parish life in 1540, at age 26, in Arnstadt with the zeal and commitment fostered by the excitement in Wittenberg at the time. Precisely that zeal and commitment led to conflict with bour geois values in Arnstadt and earned him dismissal three years later. His ministry in Göttingen lasted seven years and was ended, through no fault of bis own, because Duke Eric of Braunschweig Calenberg refused to listen to bis mother, Elizabeth of Brandenberg, the spon­sor of reform in the principality, as the young duke enforced the imposition of the Augsburg Interim upon bis lands. Elizabeth arranged for Mörlin to be given a post in Prussia, where her daughter was duchess. Mörlin found favor with Duke Albrecht there until he abandoned his role as mediator between fellow refugee pastor Andreas Osiander and his opponents. The critical disagreement between Osiander and Mörlin, which joined the duke's librarian, Martin Chem nitz, in his critique of Osiander, concerned justification by faith. Osiander maintaned that his neoplatonic interpretation of Luther's teaching was faithful to the reformer. Mörlin knew better, sharply criticized Osiander's position, and again earned exile, in 1553. However, he could choose his next call from several pending, and he answered that from Braunschweig. There he, joined by Chemnitz in 1557, provided theological and church-political leadership for north-German Lutherans for fourteen years. Particularly important were their contributions to the defense of Luther's theology of the Lord's Supper, Diestelmann's particular interest, which he treats in detail. In 1567 Albrecht of Prussia recalled Mörlin to Königsberg to "deosianderize" bis tattered church. To initiate that process, Mörlin and Chemnitz composed the "Corpus Doctrinae of Prussia," a document which shaped Chemnitz's thinking when seven years later he made bis contributions to the text of the Formula of Concord. Mörlin died in 1571, before he could assist in that effort.

Diestelmann, the publisher tells us, has not produced "a scholarly work in the narrow sense." The advantage is that lay people can read the book with great profit even if they do not know the details of the theological issues, which lay at the heart of Mörlin's concerns. For the author sketches the course of the history and the general shape of the polemic within the Lutheran churches at the time in a clear style and with a fine sense for the drama that filled those years. In doing so he paves the way for further scholarly work on this scion of the halcyon days in Wittenberg, work that will help us understand the dynamic of Wittenberg thinking as the students of Dr. Luther and the beloved Preceptor understood it and reconstructed it for use in their own generation. The scholarly reader, however, regrets that the author's analytical skill does not give us more detail an how Mörlin fashioned his representation and further application of the reformers' thought. Also frustrating is the absente of footnotes which refer to the sources. Diestelmann draws on the wide variety of writings, from sermons and commentaries to doctrinal treatises, that we have from Mörlin's pen. It also appears at times that he is reproducing citations from archival materials. But this rich research that obviously stands behind this book is hidden from the readers. As is always the case with such a work, any given reader wonders why certain existing contributions to our understanding of Mörlin are not in the bibliography. Martin Stupperich's fine study of the Osiandrian controversy and Mörlin's role in it, Jörg Fligge's work an the later Osiandrians, and Matthias Richters penetrating assessment of Mörlin's position in the so-called "antinomian" controversies of the 1550s and 1560s, add much to the knolledge we have of this "pope of the Lutherans."

Nonetheless, we must be grateful for Diestelmann's helpful and delightfully readable contribution, for it opens the world of the second generation of the Reformation to a wider public. We hope that it will also draw others into continuing the author's explorations of the Lutheran heritage as represented in this man and others.

CONCORDIA SEMINARY Robert Kolb

ST. LOUIS, MISSOURI

Sven-Olav Back In: Kristet Perspektiv (Helsingfors/Helsinki) 2004


Jürgen Diestelmann är sedan mer än fyrtio år ett aktat namn inom lutherforskningen. Han har särskilt ägnat sig åt frågor som rör den heliga nattvarden. Hans viktigaste verk är Actio Sacramentalis (1996), där han undersöker nattvardsläran och -förvaltningen inom lutherdomen från Luther till Konkordieformeln (1577), en av de lutherska bekännelseskrifterna.

Diestelmann har också en lång pastoral verksamhet att se tillbaka på. Fram till sin pensionering för fjorton år sedan var han i många år kyrkoherde i S:t Ulrici-Brüdern i Braunschweig. I denna församling förenar man luthersk bekännelsetrohet med katolsk kyrkomedvetenhet och ett rikt liturgiskt gudstjänstliv.

Diestelmanns senaste bok är en biografi över Joachim Mörlin (1514-1567), en av de främsta lutherska teologerna under generationen efter reformatorn. Wittenbergaren Mörlin studerade för Luther, Melanchthon och Bugenhagen, ordinerades av den sistnämnde och tjänstgjorde under sin första prästtid i hemstaden, där han blev känd som ”Luthers kaplan”. Han verkade sedan på en rad orter, mestadels som s.k. superintendent. Under slutet av sitt liv var han biskop av Samland med stationering i Königsberg.

Joachim Mörlin verkar ha varit en ”karismatisk” predikant och en rakryggad förvaltare av arvet från Luther. Sitt ämbete som Guds ords tjänare höll han högt, och han vägrade att böja sig för den världsliga överhetens diktat i teologiska frågor. Han drog sig inte heller för att från predikstolen vända sig direkt till närvarande ”herrar” och gå till rätta med deras okristliga leverne. Detta oböjliga drag hos honom gjorde att han gång på gång avsattes från sin tjänst och måste lämna sin församling.

Mörlins levnadslopp ger vid handen att den lutherska teorin om ”furstens” eller ”landsherrens” roll i kyrkolivet var verklighetsfrämmande. Teorin sade att fursten som kyrkans förnämsta medlem och i kraft av det allmänna prästadömet i nödfall kunde och borde hjälpa till med att ordna kyrkolivet. I praktiken blev det dock så att landsherrarna kom att regera kyrkan i kraft av sin ställning som landsherrar. Trots att Mörlin stöddes av sitt folk var det överheten som drev igenom sin vilja.

Mörlin mötte uppskattning och respekt bland äktlutherska teologkolleger och bland de människor som hade honom som herde och själasörjare. Detta förhållande reflekteras på sitt sätt i ett av de smädenamn som hans motståndare använde om honom – ”lutheranernas påve”.

För eftervärlden är Mörlins yngre vän och kollega Martin Chemnitz måhända mera känd, medan Mörlin själv har blivit bortglömd. Av Diestelmanns framställning ser man dock att Mörlin gjorde betydande insatser för att befrämja de teologiska linjedragningar som senare upptogs i Konkordieformeln. Diestelmann målar inte bara upp en färgstark ”Zeit- und Lebensbild”; hans arbete har också mycket att ge den som vill förstå vad Konkordieformeln handlar om och därmed fördjupa sina insikter i vår kyrkas bekännelse.