Der Renaissance-Lettner der Brüdernkirche (1592-94)

Die jahrelangen, aufwendigen Restaurierungsarbeiten konnten jetzt beendet werden. Am 2. Februar 2000 fand im Anschluß an die Hochmesse des Tages "Mariae Lichtmeß" aus diesem Anlaß eine kirchenmusikalisch ausgestaltete Feierstunde statt, bei der u.a. Pfarrer i. R. Jürgen Diestelmann über die "Die liturgiegeschichtliche Funktion des Renaissance-Lettners in der Brüdernkirche" sprach.

Der Lettner entstand, als die Brüdernkirche (ehemals Franziskaner-Klosterkirche) in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Gemeindekirche der evang.-luth. Kirchengemeinde St. Ulrici ausgestaltet und mit einer reichen Ausstattung (Kanzel, Orgel, Emporen, Bilderschmuck u.v.a.) ausgestattet wurde. In seiner Art ist dieser Lettner ein seltenes, wenn nicht einzigartiges Kunstwerk.

Der Renaissance-Lettner ist ein Werk des Braunschweiger Bildhauers Jürgen Röttger, aus dessen Werkstatt zahlreiche Kunstwerke in Braunschweig und Umgebung stammen.

 

Die Braunschweiger Zeitung berichtete hierzu:

Restaurierung als Puzzle-Spiel

Von Harald Duin

(Aus der Braunschweiger Zeitung vom 2. Februar 2000.)

Nach einer aufwendigen Restaurierung ist in der Brüdernkirche der Renaissance-Lettner wieder aufgestellt worden. Einweihung ist heute um 19.45 Uhr im Anschluß an eine lutherische Messe. Als Lettner bezeichnet man eine halbhohe Trennwand in Mönchskirchen, die Chor und Hochaltar vom Kirchenschiff trennt.

Der Renaissance-Lettner, ein Werk des Braunschweiger Bildschnitzers Jürgen Röttger, entstand 1592 bis 1594 und ist eines der großen Bildwerke nach der Reformation. Die Wiederherstellung gestaltete sich als kompliziertes Puzzlespiel. Die Fragmente des Lettners waren auf viele Kisten verteilt. Die Kunsthistorikerin Marlis Mittendorf schaffte es, alle Teile und Figuren einander zuzuordnen. Die Architektin Brigitte Thies lieferte für das Vorhaben sämtliche Entwurfs- und Werkzeichnungen. Sie rekonstruierte das Gesamtbild. Stadtkirchenbaurat Norbert Koch würdigte am Dienstag die Gemeinschaftsleistung aller Beteiligten, erwähnte in diesem Zusammenhang den "mit allen Problemen der Holzverarbeitung vertrauten" Tischlermeister Lothar Sipply und Ulrich Heidfeldt, der mit seinen farblichen Retuschen für ein stimmiges Gesamtbild sorgte. Die Restaurierung dauerte zwölf Jahre, weil die Kosten von 300 000 Mark nur etappenweise aufgebracht werden konnten. Es meldeten sich auch private Spender, die Geld für ihre Lieblingsfiguren gaben.

Ein Kuriosum: Die Brüdernkirche hatte in ihrer Geschichte drei Lettner. Zur Zeit der Franziskaner gab es einen mittelalterlichen Lettner, von dem keiner weiß, wie er ausgesehen hat. Dieser Lettner wurde beseitigt, nachdem 1544 die Brüdernkirche der Gemeinde St. Ulrici zugeteilt worden war. An selber Stelle entstand der Renaissance Lettner, der den Zugang zum Altarraum möglich machte, wo die Gemeinde das Heilige Abendmahl empfing. Dieser Lettner wurde in der Zeit von 1861 bis 1864 abgebaut, weil man damals der bedauerlichen Auffassung war, ein Renaissance-Kunstwerk passe nicht in eine gotische Kirche. Der obere Teil des Lettners wurde über Konsolen an der Wand befestigt. An die Stelle des Renaissance-Lettners wurde 1903 der von Wilhelm Sagebiel gestaltete neugotische Lettner gestellt. Danach stimmte auch die aus den Fugen geratene Akustik wieder. Der Renaissance-Lettner überstand den Zweiten Weltkrieg mit geringen Schäden. Er wurde nach der teilweisen Zerstörung der Kirche ausgelagert. Nun kehrte er nicht an seinen Stammplatz zurück (dort steht ja der Nachfolger), sondern fand seinen Platz im westlichen Kirchenschiff.


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