Ein Originalgemälde von Joachim Mörlin wurde restauriert.

Joachim Mörlin

- Eine Kurzbiographie -

Buchneuerscheinung: Die neue Mörlin-Biographie

Kindheit und Jugend
Joachim Mörlin wurde am 6. April 1514 in Wittenberg geboren. Sein Vater war damals dort Professor für Philosophie, seit 1521 jedoch Pfarrer in der Nähe von Coburg. Mit seiner großen. kinderreichen Familie lebte er in großen finanziellen Nöten. Darum sollte sein Sohn Joachim das Töpferhandwerk erlernen. Joachim konnte dann aber doch studieren. So kam er (nach einigen Zwischenstationen) 1531 in seine Geburtsstadt Wìttenberg. Er studierte bei Luther. Melanchthon, Bugenhagen und anderen Theologie.
"Luthers Kaplan"
1536 erwarb Joachim Mörlin die Magisterwürde und war danach - wie manche Chronisten behaupten - als Prediger an verschiedenen Orten tätig, ohne schon eine endgültige Stelle für sein Wirken gefunden zu haben. 1539 Mörlin kehrte er wieder nach Wittenberg zurück. Hier wirkte er als "Diaconus" und galt als "Kaplan" Luthers. Dieser schätzte Mörlins einfache, populäre und eindringliche Predigtweise besonders. Unter Luthers Dekanat erwarb er im Jahre 1540 auch die Doktorwürde und wurde im gleichen Jahr als Superintendent nach Arnstadt berufen.
Superintendent in Arnstadt
In Arnstadt war er eifrig bestrebt, die reine Lehre des Evangeliums zu verkünden, den Gottesdienst zu ordnen und sich der Schule anzunehmen. In seinen Predigten nahm er insbesondere gegen pharisäische Werkheiligkeit, Unbußfertigkeit, nur gewohnheitsmäßigen Gebrauch des Sakraments, Wucher, Geiz und gottlose Eheführung Stellung. Gegenüber dem in unserer Zeit zuweilen pauschal erhobenen Vorwurf, die Lutheraner seien stets "obrigkeitsfromm" gewesen, ist Joachim Mörlin ein überzeugendes Gegenbeispiel: Er machte nämlich auch gegenüber seiner Obrigkeit, dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt nicht halt, sondern geißelte von der Kanzel herab deren unchristliches Verhalten. Dies kostete ihn seine Stelle, so daß er 1543 seines Amts entsetzt wurde.
Superintendent in Göttingen
Im Mai 1544 trat Mörlin dann das Amt Superintendenten in Göttingen an. Die Pflichten, denen er sich hier widmen mußten, ähnelten denen in Arnstadt. Luther stand ihm dabei brieflich tröstend und aufrichtig bei, als er mit seiner unerschrockenen Predigt auf Schwierigkeiten stieß. Aber nicht diese Schwierigkeiten waren es, die auch hier schon nach vier Jahren seinem Wirken ein Ende bereiteten, sondern die Auseinandersetzungen um das sog. "Interim". Philipp Melanchthon, der einst für den Reichstag zu Augsburg 1530 das "Augsburger Bekenntnis" - ein Dokument von bleibend wichtiger Bedeutung - erarbeitet und damit ein klares Zeugnis des Evangeliums abgelegt hatte, zeigte nun eine höchst unklare und anfechtbare Haltung. Als nach Luthers Tode der lutherischen Kirche gewisse Zeremonien aufgezwungen werden sollten, bedeutete Melanchthons nachgiebige Haltung nämlich praktisch einen Verrat des Evangeliums. Mit ihnen sollte eine äußere Einheit vorgetäuscht werden, die innerlich schon zerbrochen war. Viele Lutheraner zeigten sich auch in dieser Frage keineswegs als "obrigkeitsfromm, sondern haben das "Interim" nicht nur abgelehnt, sondern auch unter höchster persönlicher Bedrohung dagegen gestritten. Zu ihnen gehörte auch Joachim Mörlin, der sich immer wieder eindeutig gegenüber der weltlichen Obrigkeit jede Einmischung in Glaubenssachen aussprach. Dies kostete ihn auch hier seine Stellung. Obwohl, wie es heißt, "die Bürger steif an dem Doktor hingen" und Rat und Gemeinde sich für ihn verwandten, wurde er aus Göttingen ausgewiesen.
Die erste Berufung nach Königsberg
Nach kurzem Aufenthalt beim Grafen zu Henneberg in Schleusingen (Th. W.) wurde er 1550 als Inspektor und Pfarrer an den Kneiphofschen Dom nach Königsberg berufen. Hier wurde er sogleich in einen Streit hineingezogen, der einige Monate zuvor um eine Lehranschauung Andreas Osianders ausgebrochen war. Osiander, der von Herzog Albrecht von Preußen zum Professor an der dortigen Universität ernannt worden war, wollte nämlich die Rechtfertigung des Sünders nicht auf die am Kreuz vollbrachte Erlösungstat Jesu Christi zurückführen, sondern gründete sie - wie er sagte - auf den den Christen "innewohnenden" Christus. Die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders, die Luther als diejenige bezeichnet hatte, "mit der die Kirche steht und fällt", war damit verhängnisvoll verzerrt. Mörlin suchte anfangs zu Osiander ein freundliches Verhältnis, das jedoch bald zerbrach. Da der Herzog Osianders Haltung - auch über dessen Tod hinaus - nicht nur einnahm, sondern auch durch Mandat durchzusetzen suchte, mußte Mörlin wiederum gegen die Obrigkeit Stellung beziehen. Er verteidige sich unter Berufung auf Luther, der in weltlichen Sachen der Obrigkeit, in geistlichen Sachen aber Gott allein das Regiment anheimstellte. Der Herzog jedoch verwies ihn des Landes und war nicht bereit, diesen Schritt rückgängig zu machen, obwohl der Adel und ein Teil der fürstlichen Räte sich für Mörlin einsetzten und 400 Frauen in einer dramatischen Demonstration eine Petition für ihn einbrachten. So mußte Mörlin auch Königsberg verlassen.
Mörlins wichtigster Lebensabschnitt: Braunschweig
Da erreichte ihn die Berufung zum "Superattendenten" nach Braunschweig. Dieses Amt hatte Johannes Bugenhagen 1528 geschaffen und für den Amtsinhaber die Brüdernkirche als Hauptkirche bestimmt. Mörlin hatte damit die geistliche Leitung der Kirche in der Stadt Braunschweig inne, hatte also praktisch bischöfliche Funktion. Mitten in heftigsten Kriegswirren traf er hier ein, vierzehn Tage nach der Schlacht bei Sievershausen. Die Stadt wurde von Herzog Heinrich d.J. belagert. Mörlin selbst kam in Lebensgefahr: eine Kugel schlug in sein Haus ein, freilich ohne jemand zu verletzen. Hier begann nun der wichtigste Lebensabschnitt Mörlins. In Braunschweig konnte er im allgemeinen ohne Streit mit der Obrigkeit wirken: Das Verhältnis zum Rat der Stadt war meist harmonisch. Als Prediger und Stadtsuperintendent widmete er sich mit ganzer Kraft nicht nur den Verpflichtungen seines Amtes innerhalb der Stadt (Predigt. Katechismuslehre, Seelsorge, Wachsamkeit über rechte Sakramentsfeier und Sakramentsfrömmigkeit u.a.), sondern nahm auch nach außen hin führend und in engster Gemeinschaft mit seinem Koadjutor, dem l554 hierher berufenen Martin Chemnitz - seinem späteren Nachfolger - an allen bedeutsamen theologischen und kirchlichen Auseinandersetzungen jener Zeit teil. Bis 1567 währte Mörlins Braunschweiger Wirksamkeit. Im Hinblick auf sie nennt ihn der Braunschweiger Kirchenhistoriker Johannes Beste "ein brennendes Licht, das sich selbst verzehrt im Dienst des Hauses Gottes, als ein Mann voll heiligen Geistes, groß als Redner, größer noch als religös-sittlicher Charakter".
Die zweite Berufung nach Königsberg
Inzwischen hatten sich die Dinge in Königsberg gewandelt. Die preußischen Stände verlangten Mörlins Rückberufung nach Königsberg. Der altersschwache Herzog ließ sich bewegen, Mörlin zu schreiben, um ihn um Abbitte für die angetane Schmach zu bitten. Mörlin und Chemnitz wurden glänzende Bedingungen für Dienste in Königsberg angeboten, falls sie dorthin zurückkehren würden. Mörlin lehnte zunächst ab, da er seine Braunschweiger Gemeinde nicht verlassen könne. Schließlich willigte er aber ein, mit Chemnitz nach Königsberg zu kommen, um die kirchlichen Verhältnisse dort neu zu ordnen, ohne sein Braunschweiger Amt aufzugeben. Eine wichtige Lehr- und Bekenntnisschrift, das sog. "Corpus Doctrinae Prutenicum" entstand als Frucht der Tätigkeit der beiden Braunschweiger Theologen und wurde durch eine Synode offiziell angenommen und publiziert.
Bischof von Samland
Am 11. August 1567 kam eine stattliche Gesandtschaft des Herzogs nach Braunschweig, um beim Rat der Stadt Joachim Mörlin und Martin Chemnitz für künftige Dienste in Preußen loszubitten. Im Blick auf Mörlin kam man dieser Bitte nach, Chemnitz jedoch wurde nunmehr zum Superattendenten der Stadt Braunschweig berufen.
Joachim Mörlin schied nur schweren Herzens aus Braunschweig und bekannte: "Aber Braunschweig ist mein Herz!". Dennoch bekleidete er das Amt des Bischofs von Samland mit dem gleichen Eifer, mit dem er vordem in Braunschweig gewirkt hatte. Auch sein schweres Steinleiden, das ihn schon seit Jahren geplagt hatte, hinderte ihn nicht, rastlos für das Wohl der preußischen Kirche zu wirken. Aber er konnte dies Amt nur knappe vier Jahre ausüben, denn am 23. Mai 1571 starb er in Königsberg nach einer fehlgeschlagenen Steinoperation. Im dortigen Dom wurde ihm zu Ehren ein (in den heutigen Ruinen sicherlich nicht mehr auffindbares) Denkmal errichtet, an dessen Inschrift seine Hirtentreue, seine Beredsamkeit und sein Eifer für die Ehre Christi gepriesen wurde.
D. (Überarbeitet aus dem Brüdern-Rundbrief Nr. 6/1996)

vergleiche dazu:

"Vor vierhundertdreißig Jahren ..." (Von Joachim Mörlin zu Martin Chemnitz)

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"Luther in Braunschweig"


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