Sorge für deine Seele!


Die ersten fünf christlichen Lebensregeln von Johann Rittmeyer


"Wieviele nach dieser Regel einhergehen, über die sei Friede und Barmherzigkeit." (Gal. 6, 16)


1. Dein Leben lang habe Gott vor Augen und im Herzen, und hüte dich, daß du in keine Sünde willigst oder gegen Gottes Gebote handelst. Wandele vor Gott wie ein gehorsames Kind vor den Augen seines Vaters. Sei fromm und übe dich darin, daß du deine guten Vorsätze zur Durchführung bringst.

2. Hüte dich davor, daß du dein Morgengebet, sobald du erwachst und aufgestanden bist, keinen Augenblick versäumst oder aufschiebst, denn der Satan lauert vor der Tür deines Herzens, schleicht unvermutet hinein und wird dich den ganzen Tag in manche Sünde stürzen, wo du ihm nicht, sobald du erwachst, mit dem Gebet den Weg versperrst.

3. Meine nicht, daß du es in deinem christlichen Leben so weit gebracht hast, daß du keine Einübung und Besserung mehr nötig hast, sondern wisse, daß du gerade erst angefangen hast und nicht auslernen kannst, so lange du lebst.

4. Heuchle nicht vor dir selber, prüfe ernstlich dein Gewissen und schiebe es nicht hinaus, bis du etwa von einer schweren Todeskrankheit überfallen wirst, sondern denke beizeiten daran, wo du deine ewige Bleibe aufschlagen wirst.

5. Wer des Morgens denkt, er werde den Abend gewiß erleben, und des Abends denkt, er werde den Morgen gewiß erleben, der wandelt in großer Blindheit und Sicherheit.

Im Kleinen Katechismus schreibt D. Martin Luther:

DAS ERSTE GEBOT:

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.

Was ist das?

Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

Bete mit Martin Luther hierzu:

Ewiger Gott! Du lehrest mich hier, daß Du von mir herzliche Zuversicht zu dir in allen Sachen forderst. Es ist dein hoher Ernst, daß Du mein Gott sein willst. Dafür soll ich Dich halten bei Verlust meiner ewigen Seligkeit. Auch soll mein Herz auf nichts anderes trauen noch bauen, es sei Gut, Ehre, Weisheit, Macht, Herrlichkeit oder sonst eine Kreatur.

Zum andern: danke ich Deiner grundlosen Barmherzigkeit, daß Du Dich so väterlich zu mir verlorenen Menschen herunter senkst, und Dich selbst, ungebeten, ungesucht und unverdient mir anbietest, mein Gott zu sein und Dich meiner anzunehmen. Du willst in allen Nöten mein Gott, Schutz, Hilfe und Stärke sein; obwohl wir armen, blinden Menschen doch so oft mancherlei Götter suchen, und solche auch suchen müßten, wenn Du Dich nicht selbst durch dein Wort so öffentlich hören ließest, und uns in unserer menschlichen Sprache Dich anbötest, daß Du unser Gott sein willst. Wer kann Dir dafür ewig und genug danken?

Zum dritten: bekenne ich meine große Sünde und Undankbarkeit, daß ich diese schöne Lehre und hohe Gabe mein Leben lang so schändlich verachtet, und Deinen Zorn so oft greulich gereizt habe. Das ist mir leid und ich bitte um Gnade.

Zum vierten: bitte ich und spreche: Ach mein Gott und Herr, hilf mir durch Deine Gnade, daß ich dies Dein Gebot möge täglich immer besser kennen lernen und verstehen, und mit herzlicher Zuversicht darnach handeln. Behüte ja mein Herz, daß ich nicht mehr so vergessen und undankbar werde, keine andere Götter noch Trost auf Erden, noch in allen Kreaturen suche, sondern allein rein und fein an Dir, meinem einzigen Gott, bleibe. Amen. Lieber Herr Gott, Vater, Amen.

Zu den christlichen Lebensregeln 6-10.


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