Sorge für deine Seele!
16. Sei in deinem Tun gegen jedermann freundlich, aber niemanden mit Absicht beschwerlich.
17. Vor Gott sei demütig und ehrerbietig, bei dir selbst keusch, nüchtern und maßvoll, anderen Menschen gegenüber von Herzen aufrichtig, so wirst du allenthalben durchkommen.
18. Bilde dir nicht ein, du seiest geschickt, etwas Besonderes auszurichten, denn Eigendünkel hat schon Viele verführt.
19. Strebe danach, dem Ernst der Welt, deiner eigenen Fehlsamkeit und dir selbst abzusterben, so wirst du im Leben Gottes zunehmen.
20. Laß deine Barmherzigkeit in Liebe, deine Freundlichkeit in Gebärden, deine Demut in der Kleidung, deine Geduld in Verfolgung und deine guten Sitten im Umgang aus dem Licht deines Herzens kund werden und herausleuchten.
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DAS VIERTE GEBOT
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden.
Was ist das ?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsere Eltern und Herren nicht verachten noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben.
Bete mit Martin Luther hierzu:
Hier lerne ich ernstlich, Dich, o Gott, meinen Schöpfer, erkennen, wie wunderbar Du mich mit Leib und Seele geschaffen hast, aus meinen Eltern mir das Leben gegeben hast. Du hast ihnen das Herz gegeben, daß sie mir, als ihrem eigenen Kinde, mit allen Kräften gedient haben, mich zur Welt gebracht, ernährt, für mich gesorgt, mich gepflegt und erzogen haben, unter vielerlei Sorge, Gefahr, Mühe und Arbeit. Bis auf diese Stunde hast Du mich, Dein Geschöpf, an Leib und Seele vor unzähligen Gefahren und Not behütet, und auch öfter geholfen, als schafftest Du mich alle Stunden aufs neue, denn der Teufel gönnt uns nicht einen Augenblick das Leben.
Zum andern danke ich Dir, meinem reichen und gütigen Schöpfer, für mich und alle Welt, daß Du mit diesem Gebot die Vermehrung und Erhaltung des menschlichen Geschlechts, das ist Haus- und Stadtwesen geboten und bewahrt hast. Denn ohne diese könnte die Welt nicht ein Jahr stehen. Ohne weltliche Regierung könnte die Welt nicht ein Jahr bestehen, weil ohne eine solche gäbe es keinen Frieden. Wo kein Friede ist, kann kein Hauswesen sein, wo kein Hauswesen ist, da können keine Kinder gezeugt noch geboren werden, und müßte der Elternstand ganz aufhören. Aber dafür stehst Du in diesem Gebot, hältst und bewahrst sowohl Haus- und Stadtwesen, gebietest den Kindern und allen Bürgern Gehorsam. Du wachst auch darüber, daß es geschieht, und wo es nicht geschieht, läßt Du es nicht ungestraft; sonst hätten die Kinder durch Ungehorsam längst alles Hauswesen, und die Bürger durch Aufruhr das Stadtwesen zerrissen und wüste gemacht. Darum ist diese Deine Wohltat unaussprechlich groß.
Zum dritten bekenne ich, Dir meinen leidigen Ungehorsam und Sünde, daß ich trotz dieses Deines, meines Gottes, Gebot, meine Eltern nicht genug geehrt habe, und ihnen nicht gehorsam gewesen bin, sie oft erzürnt und beleidigt habe, ihre Erziehung nur mit Ungeduld angenommen, gegen sie gemurrt, ihr treues Ermahnen verachtet habe, und statt dessen fremden Einflüssen gefolgt bin, obwohl Du doch selbst ungehorsamen Kindern Fluch androhst und langes Leben absprichst, wie ja auch viele darüber mit Schanden untergehen und umkommen, ehe sie zu Leuten werden; denn wer Vater und Mutter nicht gehorcht, muß durch Gottes Zorn böse um sein Leben kommen. Solches alles ist mir leid und bitte Dich um Gnade und Vergebung.
Zum Vierten: bitte ich für mich und alle Welt, daß Du, lieber Vater, uns Deine Gnade verleihen und Deinen Segen reichlich ausschütten wollest, sowohl über Haus- und Stadtwesen, daß wir fromm werden, die Eltern in Ehren halten, den Regierungen gehorsam sind, dem Teufel widerstehen und seinem Reize zu Ungehorsam und Unfriede nicht nachgeben, sondern mit der Tat helfen, Haus und Land zu bessern und den Frieden zu erhalten, Dir zu Lob und Ehre, uns selbst zu Nutz und allem Guten, damit wir diese Deine Gabe erkennen und dafür danken. Verleihe auch den Eltern und Regierungen Verstand und Weisheit, friedlich und selig uns vorzustehen und zu regieren. Behüte uns vor Tyrannei, Toben und Wüten, und wende die Herzen; daß sie Dein Wort ehren, es nicht unterdrücken, noch jemanden Unrecht tun. Denn wo das nicht geschieht, ist der Teufel der oberste Herr, und geht es übel und wüste zu. Amen.
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Zu den christlichen Lebensregeln 21-25
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