Sorge für deine Seele!


Die christlichen Lebensregeln von Johann Rittmeyer Nummer 21-25


"Wieviele nach dieser Regel einhergehen, über die sei Friede und Barmherzigkeit." (Gal. 6, 16)


21. Gedenke und bereue drei vergangene Dinge: Das begangene Böse, das unterlassene Gute und den unwiederbringlichen Schatz der unnütz verschwendeten Stunden.

22. Betrachte diese drei gegenwärtigen Dinge: Die Kürze und Ungewißheit des zeitlichen Lebens, die drohende Gefahr für die Seele und, daß es so wenige sind, die solche Gefahr achten oder mit Ernst danach trachten, ihr zu entkommen und selig zu werden.

23. Überlege diese drei zukünftigen Dinge, die ganz gewiß und unweigerlich kommen werden: Den Tod des zeitlichen Lebens, das Urteil und Gericht über all dein Beginnen und die ewige, höllische Pein der Verdammten.

4. Folgende drei Dinge laß zu keiner Zeit aus deinem Gedächtnis kommen: Das Auge, das alles sieht, das Ohr, das alles hört, und das Buch, in dem alles geschrieben wird.

25. Dreierlei nimm deinem Nächsten gegenüber wohl in Acht: Denke nicht leicht von jemanden etwas Böses. Rede nicht gern, wenn du etwas Böses weißt, das du mit gutem Gewissen verschweigen kannst. Höre nicht gern und leihe dein Ohr demjenigen nicht, der etwas Böses von jemanden sagen will, das du von Amts wegen nicht hören mußt. So wird viel Unheil und Verleumdung verhütet werden.

Im Kleinen Katechismus schreibt D. Martin Luther:

DAS FÜNFTE GEBOT

Du sollst nicht töten.

Was ist das ?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und fördern in allen Leibesnöten.

Bete mit Martin Luther hierzu:

Hier lerne ich ernstlich, was Du, o Gott von mir haben willst: ich soll meinen Nächsten lieben, so daß ich ihm an seinem Leibe kein Leid antun soll weder mit Worten noch mit Werken, nicht durch Zorn, Ungeduld, Neid, Haß oder einige Bosheit mich an ihm rächen oder ihm Schaden tun; sondern soll wissen, daß ich schuldig bin, ihm zu helfen und raten in allen Leibesnöten.

Denn Du hast mir mit diesem Gebot meines Nächsten Leib zu bewahren befohlen, und wiederum meinem Nächsten befohlen, meinen Leib zu bewahren. Und, wie Sirach spricht: Er hat unser jeglichen seinem Nächsten befohlen.

Zum andern: danke ich hier dieser unaussprechlichen Liebe, Sorge und Treue gegen mich, daß Du eine solche große, starke Hut und Mauer um meinen Leib hergestellt hast, daß alle Menschen sollen schuldig sein, mich zu schonen und zu behüten, und wiederum ich auch alle Menschen. Du wachst darüber. Und wo es nicht geschieht, hast Du zu strafen befohlen diejenigen, die es nicht tun. Sonst, wo solch Dein Gebot und Stiftung nicht wäre, sollte der Teufel ein solch Morden unter uns Menschen anrichten, daß keiner auch nur eine Stunde sicher leben könnte; So geschieht es, wenn Du, Gott, zürnst und die ungehorsame Welt strafst.

Zum dritten bekenne und klage ich hier über meine und der Welt Bosheit, daß wir nicht nur so undankbar sind, für diese Deine väterliche Liebe und Sorge für uns, sondern - was ja ganz schändlich ist - daß wir dies Gebot und diese Lehre nicht kennen und nicht lernen wollen, sondern verachten, als ginge es uns nicht an oder als hätten wir nichts davon. Oft gehen wir sicher dahin, machen uns kein Gewissen, daß wir unserm Nächsten gegen dieses Gebot so verachten, verlassen, ja verfolgen und verletzen oder auch im Herzen wohl töten, folgen unserm Zorn, Grimm und aller Bosheit, als täten wir recht und wohl daran. Fürwahr, hier ist Klagens und Schreiens Zeit über uns böse Menschen und blinde, wilde und ungütige Leute, die wir wie die grimmigen Tiere unter einander uns treten, stoßen, beißen und fressen, und fürchten dies Dein ernstes Gebot nicht.

Zum vierten: bitte ich Dich, lieber Vater, Du wollest uns Gnade verleihen, dieses Dein heiliges Gebot zu erkennen und helfen, daß wir uns auch danach halten und leben. Behüte uns alle unter einander vor dem Mörder, der alles Mordens und Schadens Meister ist, und gib Deine reiche Gnade, daß die Leute und wir mit ihnen zu einander freundlich, sanft und gütig werden, einander herzlich vergeben, und einer des andern Fehl und Gebrechen christlich und brüderlich trage, und also im rechten Frieden und Einigkeit leben, wie Du uns in diesem Gebot lehrst und dies von uns forderst. Amen.


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