Sorge für deine Seele!


Die christlichen Lebensregeln von Johann Rittmeyer Nummer 31-35


"Wieviele nach dieser Regel einhergehen, über die sei Friede und Barmherzigkeit." (Gal. 6, 16)


31. Suche von dem Dienst der Welt loszukommen, ehe du von ihr belohnt wirst, und begib dich zu dem Dienst des Herrn, denn dem zu dienen heißt die edelste Freiheit zu genießen.

32. Bedenke, daß die Keuschheit in großer Gefahr steht, wo man Speisen und Getränke im Überfluß hat, wie auch die Demut in Reichtum und die Gerechtigkeit beim Kaufhandel schwer zu retten ist.

33. Bitte Gott von Herzen, daß er deine begangene Missetat bedecke und dich künftighin allezeit regiere.

34. Befleißige dich in deinem Tun so zu sein, wie du vor den Leuten erscheinen willst, denn Gott urteilt nicht nach dem Schein, sondern nach dem Sein und nach der Wahrheit.

35. Meide die vielen Worte und erschrick von Herzen, wenn du bedenkst, daß du von einem jeden vergeblichen Wort Rechenschaft ablegen mußt.

Im Kleinen Katechismus schreibt D. Martin Luther:

DAS SIEBENTE GEBOT

Du sollst nicht stehlen.

Was ist das ?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unseres Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.

Bete mit Martin Luther hierzu:

Zuerst lehrest Du mich, ich soll meinem Nächsten, was ihm gehört, nicht nehmen, noch gegen seinen Willen in Besitz haben, weder heimlich noch offenbar, auch nicht untreu noch falsch mit Handeln, Dienen, Arbeiten sein, damit ich das Meine nicht diebisch gewinne, sondern ich soll mich im Schweiße meines Angesichts nähren, und mein eigenes Brot essen mit aller Treue; ich soll auch helfen, daß meinem Nächsten (gleich wie mir selbst) das Seine nicht auf unrechte Weise abgenommen wird.

Ich lerne auch, daß Du durch dieses Gebot mein Gut aus väterlicher Sorge und großem Ernst befriedest und schützt, weil Du verbietest, man soll mir nichts stehlen. Und wo man es tut, hast Du Dein Gericht angedroht, sei es durch weltliche Strafen, oder wo dies nicht geschehen kann, strafst Du es doch selbst, so daß auch Diebe zuletzt Bettler werden müssen, wie man spricht: wer jung stiehlt, der geht im Alter betteln; Unrecht Gut dauert nicht; und übel gewonnen, böse zerronnen.

Zum andern danke ich Deiner Treue und Güte, daß Du mir und aller Welt so gute Lehre, und damit auch Schutz und Schirm gegeben hast; denn wo Du nicht schütztest, bliebe keinem ein Heller noch Bissen Brot im Hause.

Zum dritten bekenne ich meine Sünde und Undankbarkeit, wo ich in meinem Leben jemand Unrecht getan oder untreu gehandelt habe.

Zum vierten bitte ich Dich, lieber Vater, um Deine Gnade, daß ich - und alle Welt - Deine Gebote doch lernen und bedenken mögen, daß wir uns auch darin bessern, damit des Stehlens, des Raubens, des Schindens, der Untreue und des Unrechts weniger werde, und durch das Kommen des Jüngsten Tages, dahin alle Heiligen und Kreaturen kommen sollen (Röm. 8), bald ein Ende werde. Amen.

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